Auf der Fahrt Richtung Lofoten schlug das Wetter plötzlich um. Die Temperatur sank und es fing zu regnen an und liess auf der Fahrt Richtung Trollfjord leider nicht nach. Dieser Fjord ist ein 2 km langer Seitenarm des Raftsunds, der die norwegischen Regionen Lofoten und Vesterålen voneinander trennt. Der Name Trollfjord leitet sich von den Trollen ab, den Zauberwesen der nordischen Mythologie die hier ihr Unwesen treiben. Die Einmündung in den Fjord ist nur 100 m breit, dann erweitert er sich auf eine maximale Breite von 800 m. Die Fjordwände ragen beidseitig bis 1000 m in die Höhe. Glücklicherweise haben uns die Trolle  in Ruhe gelassen. Als wir endlich im Bett lagen war es schon 00.30 Uhr und wegen der «Mitternachtssonne» immer noch hell.

Schon am Donnerstag überquerten wir um 7.23 Uhr den Polarkreis, worauf sich einige Passagiere der Polarkreistaufe in Anwesenheit des Meeresgottes «Neptun», unterzogen. Der Polarkreis ist eine unsichtbare Grenze die sich am Breitengrad 66°33’N befindet. Ab hier beginnt die Arktis und die Sonne geht nicht mehr unter (in Tromsø zwischen dem 20. Mai und 22. Juli).

An Bord gibt es Morgens und Mittags jeweils ein reichhaltiges Buffet. Nebst einer warmen Küche können wir uns Mittags an einem Salatbuffet, geräuchertem und/oder gebratenem Fisch, Fleischgerichten sowie an einem Dessertbuffet erfreuen.

Beispiel eines Abendessens:
Hühnersuppe aus Andvika mit knackigem Wurzelgemüse. Die einfache,  wohlschmeckende Hühnersuppe, ist ein Beispiel für die Bemühungen von Hurtigruten, den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Die leichte Suppe wurde aus denselben Hühnern zubereitet, die die an Bord servierten Eiern legten. Die Teile, die nicht für die Suppe verwendet werden, werden zu Bouillon und anderen Speisen verarbeitet, die in den Restaurants und Speisesälen an Bord serviert werden.

Gebackener arktischer Saibling vom Sigerfjord mit Rahmkohl, Norwegisch-Kartoffeln und Schnittlauchemulsion. Der arktische Saibling ist nur in arktischen Gewässern zu finden und war einer der ersten Fische, die sich nach der letzten Eiszeit in den Gewässern des Nordens ansiedelten. Er wandert sein ganzes Leben lang immer wieder vom Süsswasser zum Meerwasser, weshalb sein Fleisch in Geschmack, Struktur und Farbe einzigartig ist. In der Nacht wurde frischer Saibling vom Sigerfjord in Sortland an Bord gebracht.

Joghurtkuchen von Røros mit Løvetannsirup aus Rolvsøy. Im äussersten Norden Norwegens, auf der kleinen Insel Rolvsøy (65 Einwohner), wo der mächtige Nordatlantik auf die eiskalte Barentssee trifft, stellt Siss mit ihrer kleinen Familie Løvetannsirup aus der widerstandsfähigen und robusten Löwenzahnblüte her. Das kleine Eiland trotzt dem offenen Meer seit Jahrtausenden. Die in dieser wilden und unberührten Natur wachsenden Gräser, Heidepflanzen und Wildblumen mussten sich nur dem Wind, der Sommerhitze und dem langen arktischen Winter anpassen. Der zur Herstellung des Sirups verwendete Löwenzahn wird während des arktischen Frühlings von der Kindern und Jugendlichen in Rolvsøy per Hand gepflückt, wodurch sie in den Ferien ihr Taschengeld aufbessern.

Am Freitag durchquerten wir den Rystraumen, eine schmale Meerenge. Beim Gezeitenwechsel drängt sich das Wasser durch den Rystraumen und erreicht an dieser engen Stelle eine Geschwindigkeit von bis zu 6 Knoten. Sämtliche Schiffe welche die Hurtigruten befahren, müssen mindestens eine Geschwindigkeit von 10 Knoten aufweisen, ansonsten können sie diese Stelle nicht befahren.

Kurz nach Mittag erreichten wir Tromsø, das Tor zum Eismeer resp. zur Arktis. Sie liegt auf der Insel Tromsøya und war Ausgangspunkt zahlreicher Entdeckungsreisen in die Arktis. Fridtjof Nansen startete von hier zu seiner berühmten Eisdrift mit der «Fram». Die Eismeerkathedrale ist das Wahrzeichen der Stadt. Infolge starken Winden unterlassen wir eine Besichtigung, den der Weg führt über eine 1 km lange Brücke.

Gestern um 11.15 Uhr legten wir in Honningsvåg an. Der Ort befindet sich auf der Insel Magerøya. Durch seine verkehrsgünstige Lage ist es der Ausgangspunkt zum etwa 40 km entfernten Nordkap. Anstelle des Nordkaps haben wir den Ausflug «Birds watching» gebucht. Ein Bus bringt uns ins Fischerdorf Gjesvær, wo heute ungefähr 130 Menschen leben (zu Beginn der 1970er Jahre waren es noch etwa 350). In der Schule sind heute nur noch 7 Kinder und die durchschnittlichen Monatstemperaturen liegen im Jahresverlauf zwischen −3°C und +10°C. Auf der vorgelagerten Inselgruppe Gjesværstappan befindet sich die grösste Seevögelkolonie Norwegens. 1983 wurden die Inseln und das sie umgebende Meer auf einer Fläche von 5,5 km² zum Naturschutzgebiet erklärt. Zwischen dem 15. Juni und dem 15. August ist das Betreten des Gebiets verboten. Auf einem Boot fährt unsere Gruppe zu den Inseln wo wir nebst Papageientauchern auch Kormorane, Basstölpel und Seeadler sehen. Wegen der Brutzeit befinden sich zur Zeit etwa 2 Mio. Vögel auf den Inseln.

Bei der Einfahrt nach Kjøllefjord befinden sich die «Finnkirka», eine wie eine Kirche geformte Felsgruppe, die in alten Zeiten wahrscheinlich ein Opferplatz der Samen war.

Die Fahrt führt dann der Nordküste entlang durch die Barentssee, die ein Randmeer des Nordpolarmeeres ist. In der Zwischenzeit sind stürmische Winde aufgekommen, so dass die Orte Mehamn und Berlevåg nicht mehr angefahren werden konnten. Der nächste Halt ist erst um 23.45 Uhr in Båtsfjord.

Heute morgen um 9 Uhr legt das Schiff im Hafen von Kirkenes an. Hier endet unsere Schiffsreise. Das Auto steht vor dem Schiff und erwartet uns. In Kirkenes ist heute Pfingstsonntag nichts los, wir sehen kaum Leute. Doch um die Mittagszeit ändert sich dies, denn es strömen sehr viele Menschen, mehrheitlich in Sonntagstracht, aus der Kirche. Da wir heute Nacht in Kirkenes übernachten haben wir genügend Zeit um zum 15 km entfernten Grenzübergang Storskog zu fahren, wo wir kurz nach Russland hinübergucken und Putin begrüssen. Hier im hohen Norden gibt es noch viele Schneereste und die Vegetation ist noch nicht weit fortgeschritten. Das Wetter hält sich bis jetzt gut, bei Temperaturen um die 10°C und relativ starkem Wind.

Von hier aus beträgt der kürzeste Weg nach Hause rund 3500 km, der Küste entlang etwas mehr…