Was hat «30 Jahre Mauerfall» mit dem Reisen zu tun? Als am Abend des 9. November 1989 die ersten Schlagbäume an der deutsch-deutschen Grenze hochgehen, ist die Mauer wieder offen und wir besuchten ein gutes halbes Jahr später auf einer Deutschlandreise unsere Freunde, die in der Nähe der damaligen Grenze wohnten. Als ich zum heutigen Jahrestag meine Tagebucheinträge von damals las, erlebte ich in Gedanken nochmals die vergangenen Ereignisse. Hier einige Tagebuch-Auszüge:

Mit unseren Freunden fahren wir der ehemaligen Grenze entlang in Richtung des Dorfes Zicherie. Bei unserem letzten Besuch vor drei Jahren sahen wir hier die deutsch-deutsche Grenze.

Einige Kilometer vor dem Dorf geschieht etwas Unglaubliches: Die Polizei weist uns über die alte Grenze und auf den ehemaligen Todesstreifen. Zur Linken steht immer noch der Drahtzaun und der Camion-Graben. Das ist für unsere Freunde und auch für uns unfassbar! Der Grund für diese Umleitung ist ein Radrennen. Es wurde noch aufregender. Kurz vor Zicherie/Böckwitz parken viele Autos auf dem Feld im Gras, um am gemeinsamen Fest teilzunehmen. Wir fahren näher und näher zum ehemaligen Grenzübergang, welcher immer mehr mit Leuten vollgestopft ist. Dazu Morast mit Regen! Ohne Grenzkontrolle fahren wir über Klötze nach Madgeburg. Das Verkehrsaufkommen ist unglaublich. Hunderte von Trabbies und Wartburgs befinden sich auf der Strasse, die sich mit zahlreichen Schlaglöchern in einem desolaten Zustand befindet. Die Zeit scheint in der DDR stehengeblieben zu sein!

Tags darauf ist die Strasse nach Berlin in Richtung Helmstedt verstopft. Wir wenden und fahren über den ehemaligen Grenzübergang Grasleben auf Nebenstrassen der DDR bis zum nächsten Autobahnzubringer nach Berlin.

 Das Brandenburger Tor, wo die Mauer durchlief, ist im Gegensatz zum letzten Jahr nun für Fussgänger geöffnet. Leider sehen wir vom Tor nicht viel, da es zum Restaurieren eingepackt ist. Es tut sich einiges in Ostberlin. In der Verlängerung der Strasse «Unter den Linden» wurden schon neue Bäume gepflanzt. Von der Mauer sieht man nicht mehr viel. Zahlreiche Souvenirverkäufer preisen farbige, herausgespitzte Mauerstücke an. Der Potsdamer Platz ist auch wieder zugänglich. Gebaut wird hier noch nicht, da ein Wettbewerb zur Gestaltung läuft.

Einige Fotos von damals als wir anlässlich des Berlin Marathons, die Mauer von West-Berlin aus betrachteten. Beim Grenzübergang Checkpoint Charlie gingen wir für einen Tag nach Ost-Berlin:

Dank dem Radio und der Berliner Morgenpost erleben wir heute um 10 Uhr einen Mauerdurchbruch an der Bernauer Strasse / Ackerstrasse live mit! Bei unserer Ankunft stehen schon Baumaschinen, Polizei, Presseleute und viele Zuschauer bereit. Es ist unglaublich, dass wir so etwas Historisches erleben dürfen. Die Mauer mit heruntergekrümmten Armierungseisen ist überall «angespitzt». Viele Betonstücke mit Farbe sind schon entfernt worden. Trotzdem finden wir noch einige Miniaturstücke als Souvenir.

Die Berliner Morgenpost hat eine interaktive Seite aufgeschaltet die sehenswert ist:

https://interaktiv.morgenpost.de/berliner-mauer-damals-heute/